So ähnlich wie ein BarCamp: Anderthalb Tage Sketchnotes in Hannover

Nachdem mich die Fünfte fragte, ob wir uns beim Sketchnotes-BarCamp in Hannover sehen, habe ich mich doch noch angemeldet.

Im Zentrum meines Sketchnotes-Selfies bin ich mit dem iPadPro in der einen und dem Apple-Pencil in der anderen Hand. In die eine Ecke habe ich die Silhouette von Hamburg gezeichnet, Unten ein Fahrrad und ein Buch (Hobbies), meine drei Standbeine: Sketchnotes, Grafikerin, Webdesignerin, dazu drei Fakten: Dass ich platt spreche, gern ein Minischwein hätte und kein Koriandergrün mag. Eis dafür umso lieber. Dazu meine URLS und meinen ersten Twitter-Namen. Illustration: © Ania Groß
Die Organisatorinnen vom 1. Internationalen Sketchnotes-BarCamp 2017 in Hamburg hatten die geniale Idee, dass alle Teilnehmer*innen vorab ein Selfie von sich zeichnen. Diese Idee hat das Hannoveraner Orgateam übernommen. Die Selfies konnte man sich vor dem Camp (und immer noch) auf der Website ansehen. Illustration: © Ania Groß
Unter Anleitung von Pavo Ivkovic haben wir einen Schriftzug in der App ProCreate mit Schatten versehen. Illustration: © Ania Groß
Ich hatte mir von dem Workshop mehr versprochen. Leider waren unter den Teilnehmenden recht viele, die bisher gar keine oder wenig Kenntnisse in ProCreate hatten, so dass statt „Digitale Typographie mit Tablet und Pencil“ eher „ProCreate für Einsteigerinnen“ der passende Titel gewesen wäre. Auf jeden Fall lohnt sich ein Besuch auf Pavo Ivkovics Website um zu sehen, WAS möglich ist … Illustration: © Ania Groß

Mit einem klassischen BarCamp hatte die Veranstaltung aber eher wenig gemein. Erstens war die Teilnehmendengebühr recht hoch (zu den klassischen BarCamp-Regeln gehört, dass ein BarCamp für alle TN kostenlos oder mit minimalen Kosten verbunden sein soll) und zweitens gab es nur drei Räume. Und deswegen am zweiten Tag, dem BarCamp-Tag, wenig Sessions zu Auswahl, insgesamt waren es 12, von denen man maximal vier besuchen konnte. Ich empfehle dringend, noch zwei Zeitfenster (Slots) mehr anzubieten. Es gibt keinen Grund eine Konferenz am Sonnabend schon um 17 Uhr enden zu lassen. Menschen, die früher gehen müssen, können das ja tun.

Am Freitagnachmittag, also am ersten Tag, gab es drei ebenfalls parallel liegende Workshops. Ich hab mich für den von Pavo entschieden. Passend zum Wetter haben wir den Schriftzug „Hot“ mit Schatten und Muster versehen.

Peter Schmitt wollte uns noch viel mehr visuelle Spiele vorstellen, geschafft haben wir nur drei: Bei Pictionary hat jeweils eine aus dem Team einen Begriff gezeichnet und wir mussten raten; Dann haben wir stille Post gespielt, wo sich Zeichnung und geschriebene Benennung abgewechselt haben. Bei Stadt-Land-Symbol wird alles gezeichnet, nicht nur das Symbol. Sketchnotes: © Ania Groß
Visuelle Spiele mit Peter Schmitt. Ich werde definitiv jeweils mindestens ein visuelles Spiel mitnehmen in meine längeren Workshops. Durch die Geschwindigkeit in der gezeichnet werden muss, können die Spielenden gar nicht reflektieren, ob sie zeichnen können oder nicht. Das lockert! Sketchnotes: © Ania Groß
„Figuren zeichnen“. Statt des oft benutzten 9er-Rasters für Gesichter, hat Heike Haas uns die Gesichter vorgemacht und erklärt, worauf es bei Mimik ankommt: Augenbrauen und Mund sind am Wichtigsten. Sketchnotes: © Ania Groß
Heike Haas‘ ausdruckstarke Mimik hat den ohnehin kurzweiligen Vortrag aufgelockert. Wichtigste Erkenntnis: Wenn man einer blondgelockten Holden einen Bart malt, kriegt man Thomas Gottschalk (schade, dass ich den nicht häufiger in meinen Sketchnotes brauche!). © Ania Groß
In der Runde zu Sympathiefiguren haben die Teilnehmenden ihre Charaktere vorgestellt. Das waren tw. auch Stofftiere, nicht nur gezeichnete Figuren. 5 Tipps hat uns Britta gegeben: 1. Gebt den Charakteren Namen. 2. Super für Social Media. 3. Figuren dürfen, was wir nicht dürfen. 4. Die Figur sollte sympathisch sein. 5. Denkt euch ein Leben dazu aus (Persona: was, wer, wie alt …?)Sketchnotes: © Ania Groß
Britta Ludwig hatte schon andere Figuren, aber am bekanntesten ist Herr Pöppel, den es auch gehäkelt, aus Edelstahl und als Fimo-Figürchen für Ihre Klientinnen gibt. Sketchnotes: © Ania Groß
„Visualisieren in der Lehre“ kann vielfältig eingesetzt werden: Für die Präsentation (inkl. Tafelbilder), zum Protokollieren durch die Lernenden und zum Entwickeln von Inhalten oder Lernzielen. Lehrkräfte wirken dabei als Vorbilder und sollten ggf. sogar extra schlecht zeichnen um gerade ältere Jugendliche nicht zu demoralisieren („Ich kann gar nicht zeichnen“). Luise, die ihre Masterarbeit zu einem ähnlichen Thema geschrieben hat, sieht Zeichnen neben Lesen, Schreiben und Rechnen als 4. Kulturtechnik an. Sketchnotes: © Ania Groß
Für diese Session wurden drei oder vier Sessionvorschläge zu einer zusammengefasst. Das Thema hätte mehr Raum gebrauchen können. Sketchnotes: © Ania Groß

Am Sonnabend wurden erst eine ganze Reihe von Sessions vorgestellt, wegen der knappen Raumressourcen wurde dann, anders als bei einem klassischen BarCamp abgestimmt (mit Pünktchen), welche Sessions überhaupt stattfinden. Das sehe ich kritisch: Denn gute Sessions, die den Teilnehmenden Wissen vermitteln, brauchen Vorbereitung. Wenn aber nicht klar ist, ob die eigene Session dran kommt, dann wird sicher kaum jemand Hirnschmalz in die Vorbereitung investieren und der inhaltliche Nutzen solcher Veranstaltungen ist gering. Am meisten profitiert habe ich persönlich von der ersten Session, Visuelle Spiele. Und die war definitiv gut vorbereitet. Peter hatte viel Material dabei und konnte die Spiele schnell gut erklären. Deshalb konnten wir gleich losspielen.

Vorschläge:

  • Workshop-Niveau an Tag 1 deutlich höher ansetzen, bzw. je nach Vorwissen unterschiedliche Niveaus anbieten.
  • Die Sessions so planen, dass es in jedem Zeitslot Sessions für Anfängerinnen, Fortgeschrittene und Profis gibt.
  • 6 statt 4 Zeitfenster (18 statt 12 Sessions).
  • Toll wäre, wenn die Sponsoren lieber mehr Geld für die Gesamtorga beisteuern und weniger Geschenke für die Goodiebags/Tombola (Ich brauche gar nichts davon, weil ich nur digital zeichne, ein Verzicht wäre also auch nachhaltiger!).
  • Eine Party am ersten Abend wäre schick! Entweder finanziert vom Sponsor oder ggf. auch als „Jede*r bringt was zum Trinken/Knabbern mit“
  • Die Auswahl der Eissorten nicht einer einzelnen Person überlassen

Das fand ich super:

  • Das Essen (auf Intoleranzen wurde viel Rücksicht genommen)
  • Die Orga (auch, wenn ich inhaltlich Kritik habe, war das Event toll organisiert!)
  • Den Eiswagen (nur die Sorten nicht so, s. o.)
  • Die Location (stylish und direkt an der Straßenbahnhaltestelle)
  • Der Stand von Neuland war super: Wir durften unsere Einkäufe gleich mitnehmen, mussten aber erst nach der Veranstaltung auf Rechnung bezahlen

Fazit

Ob ich nächstes Jahr wieder teilnehme, hängt sehr davon ab, ob die Möglichkeit besteht an MEHR Sessions auf höherem Niveau teilzunehmen.

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