Improvisationstheater Luv & Lee

Improtheater und Sketchnotes sind eng verwandt. In beiden Fällen wird ein (meist verbaler) Reiz in etwas anderes verwandelt. Bei Sketchnotes in Schrift, Bild und Layout, beim Improtheater in Spiel: Mimik, Gestik, Interaktion.

Es war lange her, dass ich ein Improtheater besucht hatte. Vor die Wahl gestellt, hätte ich mich eher für „richtiges“ Theater entschieden (gern zeitgenössische Inszenierungen!). Beim Nachdenken darüber, warum das wohl so ist, habe ich eine mögliche Erklärung gefunden: Als stadtbekannte Bücherfresserin bin ich wohl geschichtensüchtig!
Und eine wirkliche Geschichte entsteht beim Improtheater eher nicht.

Dieses verzeifelte Ringen, eine Geschichte zu finden, erkennt man in meiner ersten Sketchnote von gestern: Ich habe jeden losen Faden aufgegriffen, immer in der Hoffnung, er entwickelt sich weiter …

Wildes Durcheinander: Viele Meerschweinchen, morgens um vier auf dem Fischmarkt, Pizza, ein Beleuchter … und und und. © Sketchnotes und Fotos: Ania Groß

Das Programm Windwechsel des Improtheaters Luv & Lee. © Sketchnotes und Fotos: Ania Groß

Darum kam ich auch mit dem Platz nicht aus und musste umblättern.

Antje und Björn kamen auf die Bühne und mussten Sätze ergänzen: Es ging um Gulasch, Gladiolen und Monopoly, während ein Gnom in der Weihnachtsbäckerei Zwieback und Bier verzehren sollte … © Sketchnotes und Fotos: Ania Groß

Zwieback und Bier zu Atonaler Musik, da würde ich die Erde auch lieber verlassen. © Sketchnotes und Fotos: Ania Groß

Nach der Pause hatte ich mich dann gelöst. Ich weiß nicht, ob es Ihnen/euch auch so geht: Ich finde, das dritte Blatt ist absolut harmonisch, ich selbst erkenne meine, huch!, „innere Befreiung“.

Der Teufel ist eine Eichhörnchen; und schalldichte Tapete, ein Mord, ein tauchendes Meerschweinchen und Zoff im Lehrerzimmer, der Seifenopernmäßig in Liebe endet …© Sketchnotes und Fotos: Ania Groß

Umzugskartons und ein abgeschrieberner Tweet: Das Publikum hatte in der Pause Sätze notiert, aus denen Mona und Felix nach der Pause absurde Szenen improvisierten. © Sketchnotes und Fotos: Ania Groß

Nach dem etwas holprigen Start könnte ich in Zukunft wahrscheinlich jederzeit wieder Improtheater „mitkritzeln“. Ganz entspannt. Denn wenn man keinen Sinn sucht, wird das Gehirn davon herrlich durchgepustet. Und es ist vielleicht sogar eine gute Übung in Unvollständigkeit.

Luv & Lee sind, wenn ich das richtig weiß, erst seit sieben Monaten ein Team. Man merkt das aber an keiner Stelle: Mona und Felix spielen perfekt zusammen, verbale Hinweise und helfende Gesten (ich beobachtete ein Anstupsen – „neuer Zettel“) waren witzig und flüssig ins Spiel integriert. Den Pianisten Sebastian hab ich zwischendurch komplett vergessen. Und das nicht, weil er nicht spielen würde. Im Gegenteil, das ist nur ein Zeichen dafür, wie harmonisch sein Spiel ins Geschehen einfließt.

Die nächsten Termine von Luv & Lee sind hier zu finden.

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