Literatur-Sketchnotes bei der Nacht der Kirchen in Hamburg

Am vergangenen Sonnabend habe ich bei einer sehr spannenden Veranstaltung Sketchnotes gemacht: Zwei Autoren und eine Autorin lasen bei der Nacht der Kirchen in der Christ-König-Kirche in Hamburg-Lokstedt unter dem Motto „Lebe, liebe, lache“.

Ganz spontan Literatur live mitzuzeichnen, ist, glaub ich, nahezu unmöglich (ich lasse mich gern eines Besseren belehren). Ich jedenfalls wusste vorher, welche Ausschnitte aus ihren Büchern die Autorin und die Autoren lesen würden und konnte mir ein paar Gedanken zur Visualisierung machen. Denn während man normalerweise beim Sketchnoten auch viel schreibt, gibt es bei Literatur ja schon einen ausgefeilten Text, den es bei der Zuhörer*innen bildlich zu „verankern“ gilt.

Gino Leineweber las einige Abschnitte aus seinem Buch. Ich habe dazu eine Landkarte gezeichnet und ein Portrait von Ernest Hemmingway usw. Zeichnung und Foto: Ania Groß

Gino Leineweber: Wo der Teddybär wohnt – und andere Einsichten über Michigan

Den Anfang machte Gino Leineweber mit seinen Reisenotizen aus Michigan, einem US-Staat, der von seinen vielen Seen geprägt wird. Hemmingway verbrachte seine Sommerurlaube dort und noch heute sind die vielen Orte am Ufer des Lake Michigan ein Reiseziel im Sommer und zur Laubfärbung im Herbst.

Susanne Bienwald las u. a. den Anfang ihres Romans. Protagonistin Xenia ist hochsensibel. Deshalb habe ich beim "Kritzeln" u. a. einen Schwerpunkt auf die beschriebenen Geräusche gelegt. Am Ende las Frau Bienwald eine Passage, wo das schwierige Verhältnis von Xenia zu ihrem Vater beschrieben wurde, den sie als Kind sehr liebte. Schwierig zu zeichnen … Foto und Zeichnung: Ania Gross

Susanne Bienwald: Wittensee

Als zweites las Susanne Bienwald aus ihrem Roman über eine Studentin, Xenia, und wie diese ihre eigene Hypersensibilität erlebt, und welche Strategien sie entwickelt um im Leben klar zu kommen (und welche Konsequenzen das hat). Die Beschreibungen von Geräuschen fand ich unglaublich präzise und nachvollziehbar.

Rainer Moritz fragte, ob man das, was in Büchern geschieht, mit dem eigenen Erleben vergleichen kann (am Beispiel des jungen Werther). Und stellte dann verschiedene Bücher/Texte für unterschiedliche Lebenslagen vor. In zweien spielten Brathähnchen eine Rolle. Und eine pragmatische Katze kam bei Karen Duve zu Wort: "Wer jammert, hat noch Reserven". Zeichnung und Foto: Ania Gross

Rainer Moritz: Die Überlebensbibliothek

Nach einer kurzen Pause las dann der Leiter des Literaturhauses Hamburg, Rainer Moritz, aus seinem „Bücher-Ratgeber“ für Leser und Leserinnen. Er empfiehlt darin Literatur für viele, tw. auch etwas abstruse, Lebenslagen und er tut dies mit viel Humor.

So sah das aus: Meine zeichnenden Hände un der Block auf einer großen Leinwand hinter den Vorlesenden. Foto: Regine Christansen.

So sah das aus: Meine zeichnenden Hände und der Block auf einer großen Leinwand hinter den Vorlesenden. Foto: Regine Christansen.

Beim Zeichnen gefilmt zu werden, fand ich eher schön als störend, aber ich habe auch Erfahrungen mitgenommen: Ich muss größer schreiben (das habe ich sofort getan) und einen dickeren Stift verwenden (das mache ich beim nächsten Mal) oder alternativ auf einem kleineren Format zeichnen, damit die Kamera näher rankommen kann. Ich hatte A3 genommen, weil die Ergebnisse dann schon eine schöne Größe haben.